VERA-VM (Virtuelle Expertin für Recherche und Analyse) ist ein experimentelles, modular aufgebautes Analyse-Framework zur strukturierten Untersuchung von Bildwerken. Das Projekt entstand aus der Beobachtung, dass gängige KI-Systeme zwar sprachlich leistungsfähig sind, jedoch für kunsthistorische Fragestellungen methodisch unzuverlässig bleiben. Insbesondere die Vermischung von Beschreibung, Kontext, Theorie und Deutung führt häufig zu plausibel klingenden, aber epistemisch instabilen Ergebnissen.
VERA-VM verfolgt daher einen anderen Ansatz. Das System bildet kunsthistorische Analyseprozesse nicht als Textfluss ab, sondern als klar getrennte Erkenntnisphasen. Formale Beobachtung, historische Kontextualisierung, theoriegeleitete Analyse und synthetische Zusammenführung werden strikt voneinander getrennt und jeweils eigenständig geführt. Jede Phase arbeitet mit begrenzten Aufgaben, expliziten Regeln und dokumentierten Übergaben.
Ziel des Projekts ist nicht Automatisierung von Interpretation, sondern methodische Kontrolle. VERA-VM macht sichtbar, welche Aussagen auf welcher Grundlage entstehen, wo Unsicherheiten liegen und an welchen Punkten menschliche Entscheidung und Verantwortung notwendig bleiben. Die KI fungiert dabei als strukturierendes Instrument – nicht als autoritative Instanz.
Die aktuelle Version von VERA-VM befindet sich in aktiver Entwicklung und dient primär als Demonstrator für die Machbarkeit einer disziplinierten, wissenschaftlich anschlussfähigen KI-gestützten Bildanalyse. Langfristig ist das Projekt offen angelegt für Forschung, Lehre und methodische Weiterentwicklung im Kontext der Kunstgeschichte und der Digital Humanities.